Schmuck-Lexikon

Silberschmuck


Silber ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Ag und gehört zu den Edelmetallen. Edelmetalle haben vor allem die günstige Eigenschaft, korrosionsbeständig zu sein. Das bedeutet, dass sie gegenüber dem Einfluss von Wasser oder Luft chemisch stabil bleiben. Diese Eigenschaft mach z.B. Silber, aber genauso Gold, zu einem optimalen Werkstoff für die Schmuckherstellung. Optische Qualitäten und der Materialwert ergänzen diesen Aspekt natürlich nicht unwesentlich. Silber hat in reiner Form auch eine enorme Reflexionskraft und spiegelt über 99 Prozent des sichtbaren Lichts. Es kann somit auch zur Herstellung von Spiegeln verwendet werden.

Die etwas unerwartete Bezeichnung im Periodensystem mit „Ag“ leitet sich vom lateinischen Wort „argentum“ für Silber ab. Silber wird von den Menschen etwa seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. verarbeitet und war zum Beispiel bei den Griechen, Römern, Ägyptern und Germanen sehr beliebt. In Zentraleuropa wurden vorwiegend Silbervorkommen im Harz, im Thüringer Wald, im Erzgebirge oder aus dem Südschwarzwald gefördert. Später kamen große Silbermengen durch die Spanier aus Lateinamerika nach Europa. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts rostfreier Stahl für eine Vielzahl von Gebrauchsgegenständen eingesetzt wurde, verlagerte sich der Anwendungsbereich, neben technischen Anwendungen, noch stärker in Richtung Schmuckherstellung. Heute wird Silber meistens aus Silbererzen gewonnen, die zusammen mit Blei, Kuper oder Zink als Sulfide oder Oxide auftreten. Mexiko ist heute mit 4.150 Tonnen pro Jahr der größte Silber-Förderer auf der Welt, während die Vorkommen in Europa fast vollkommen ausgeschöpft sind oder sich die Förderung aufgrund der Gegebenheiten noch nicht lohnt.

Als Edelmetall ist Silber, wie bereits erwähnt, relativ reaktionsschwach und reagiert in reiner Form nicht mit dem Sauerstoff aus der Luft. Das Anlaufen von Silber erklärt sich durch die Reaktion mit dem in der Luft geringfügig vorhandenem Schwefelwasserstoff, der zu Silbersulfid reagiert. Um das sog. Anlaufen zu vermeiden, sollte Silberschmuck möglichst wenig mit der Raumluft in Kontakt kommen. Hierzu eignet sich ein Schmuckbeutel oder entsprechende Schmuckschachteln. Alufolie hält ebenfalls die schwefelhaltigen Anteile der Raumluft zurück. Watte eignet sich übrigens nicht zur Aufbewahrung, da diese den Prozess des Anlaufens noch beschleunigt. Chlorwasser ist auch ein Feind von Silberschmuck.

Ist der Silberschmuck einmal angelaufen, kann man leichte Verfärbungen mit einem Silberreinigungstuch gut entfernen. Bei hartnäckigen Fällen empfiehlt sich ein Reinigungsbad, in welches der Silberschmuck für einige Sekunden eingetaucht wird. Da es sich hier aber um nicht wirklich gesunde Chemikalien handelt, sollte entweder regelmäßig mit einem Reinigungstuch gearbeitet oder bei schwierigen Fällen ein Ultraschallbad genutzt werden. Ein altes Hausmittel ist auch Spülmittel, Salzwasser oder Zahnpasta. Reiben Sie den Silberschmuck damit ein bzw. legen ihn in das Salzwasser oder Spülmittelbad, kurz einwirken lassen und dann mit klarem Wasser abspülen. Anschließend mit einem kratzfreien Tuch polieren. Vorsicht aber bei eingefassten Steinen, diese vertragen manche Behandlungen nicht. Sollte alles nicht helfen, lassen Sie einen Profi beim Juwelier in der Nähe ran.

Neben dem Einsatz als Werkstoff für die Schmuckherstellung, kommt Silber auch im Bereich der Technik zum Einsatz. Es hat von allen Metallen die beste wäre- und elektrische Leitfähigkeit und kommt z.B. bei leitfähigen Verklebungen oder Lötlegierungen zum Einsatz. Bis zum Einzug der Digitalfotografie war Silber auch die Grundlage der Fotografie für die Entwicklung von Fotopapier. Im medizinischen Bereich besitzt Silber in Feinverteilung vor allem eine bakterizide, also Bakterien abtötende Wirkung. Es kann somit z.B. für Beschichtungen eingesetzt werden.

Der Silberpreis bestimmt sich am Marktwert und wird seit 1987 am London Bullion Market mit dem sog. Silberfixing täglich bestimmt. Neben dem Gold dient es seit längerer Zeit als wertstabile Geldanlage in jeglicher Form, natürlich auch in Form von Silberschmuck oder Münzen. Da Silber mit vielen Metallen gut legierbar ist und damit z.B. die Härte erhöht werden kann, wird es idR. auch nur in Legierungen angeboten bzw. verarbeitet. Die häufigsten Legierungen erfolgen mit Gold oder Kupfer, wobei Kuper hier die wichtigste im Bereich der Schmuck-, Münzen- oder Besteckherstellung darstellt. Die Legierung wird mit dem Feingehalt an Silber in tausendstel Teilen angegeben. So ist 925er Silber z.B. nach der britischen Währung „Pfund Sterling“ als Sterlingsilber bekannt und heute ein typisches qualitätsmerkmal für hochwertigen Silberschmuck in Verbindung mit Kupfer. Weitere gebräuchliche Silberlegierungen sind 800 und 835 also mit 80 und 83,5 Prozent Silberanteil.

Die Geschichte des Silberschmucks geht, wie bereits erwähnt, schon einige Jahrtausende zurück. Schmuck allgemein wurde aber z.B. schon in der Steinzeit gefertigt und getragen. Gegenstand war hier oftmals eine Trophäe aus einem gewonnenen Kampf aber auch Schneckenhäuser oder besondere Gesteine dienten als Zierde für Ketten oder sonstige Kleidungsstücke. Interessant ist vor allem, dass Schmuck über alle Kontinente hinweg relativ zeitgleich eine kulturelle Bedeutung entwickelte. Die gezielte Schmuckherstellung begann aber vor rund 5000 Jahren in Ägypten. Hier zählte vor allem Gold zu den begehrtesten Materialien neben Bronze und Silber, und es wurden sogar schon Edelsteine zur weiteren Verzierung eingefasst. Im Mittelalter bekam die Symbolik der Schmuckstücke, neben dem langfristigen Wert als Tauschmittel, eine immer stärkere Bedeutung. Mit neuen Techniken zur Schmuckherstellung wurden Ketten und filigrane Kettenanhänger immer beliebter und durch die Fertigung von synthetischen Edelsteinen kamen auch Menschen außerhalb der hohen sozialen Klassen in den Genuss von prächtigen Schmuckstücken. Dies hatte einen großen Anstieg der Schmuckproduktion und Weiterentwicklung der Fertigungstechniken zur Folge. Neben der ästhetischen Funktion, stand Schmuck immer auch in Verbindung mit einem praktischen Nutzen oder sozialem Gebrauch. So wurden neben reinen Schmuckstücken auch Gebrauchsgegenstände verziert oder eben andersherum. Klassische Vertreter sind hier z.B. Siegelringe, Aufbewahrungsgegenstände, Handspiegel oder Haarspangen. Heute sind Silberringe, Silberketten, Silberohrringe und Silberanhänger die beliebtesten Schmuckstücke. Gerade in Bereichen mit engem Hautkontakt oder bei hygienisch relevanten Fällen wie Piercings oder Ohrsteckern kommen die erwähnten Eigenschaften des Silbers besonders zum Tragen. Die hervorragenden Bearbeitungsmöglichkeiten lassen heute vielfältige und filigrane Schmuckstücke entstehen und ermöglichen auch eine Individualisierung durch Gravuren. Viele Silberschmieden bieten auch die komplett individuelle Fertigung nach den Wünschen der Kunden an. Die Schmuckstücke lassen sich auch leicht umarbeiten und weiter veredeln. In jedem Fall kann man mit einem Schmuckstück aus Silber, vorzugweise Sterlingsilber, keinen Fehler begehen. Der Wert von Silber ist aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit und den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in Technik, Medizin, Forschung und Kultur langfristig mit einer gewissen Sicherheit versehen. Zudem erzeugt eine entsprechende Qualität auch gleich ein ganz anderes Tragegefühl als ihn Modeschmuck vermitteln kann.

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